Leseprobe
vom 1. Buch: Die Abenteuer des Fitje Sturm





......Es war schon später Abend. Sie hatten den ganzen Tag geredet. Fitje saß auf dem Rand der Kapitänskiste und ließ die Beine baumeln, Freitag schaukelte langsam in seinem Rettungsring, und Thore saß in seinem Sessel und trank genüsslich eine Tasse heissen Tee. Das herbe Aroma verteilte sich mit den kleinen Wolken Dampf, die aus der Tasse aufstiegen in der ganzen Kapitänskajüte.
Da brach sich ein verirrter Lichtstrahl auf einem Gegenstand in der Kapitänstruhe. Fitje schaute genauer hin und zog Neptuns Flöte aus dem Berg von Andenken. Versonnen drehte er sie in den Händen. "Davon hat Hennek auch erzählt," begann er. Thore sah auf und fragte: "Wovon hat Hennek auch erzählt, Fitje?" Er konnte die zierliche Flöte ja nicht sehen, da Fitje ihm den Rücken zugewandt hatte. Fitje sprang von seinem Sitzplatz und flitzte zum Schreibtisch. "Hiervon hat er auch geredet," und er hielt Thore die Flöte entgegen. Dabei klang seine Stimme ein klein wenig aufgeregt. Jedenfalls aufgeregt genug, dass Freitag seinen gemütlichen Sitzplatz verließ und ebenfalls zum Tisch geflogen kam. Fitje berichtete, was Hennek ihm erzählt hatte, ausführlich und mit allen Einzelheiten. Zuletzt nahm er das kleine Instrument auf und betrachtete es nachdenklich. "Weisst du Kapitän, irgendwie werde ich das unheimliche Gefühl nicht los, dass diese Flöte , die Geschichte vom alten Hennek und die Karte, die er mir gab, etwas miteinander zu tun haben. Und dann war da ja noch die Geschichte vom Feuerfluss der Wale, der versiegt ist." Thore sah Fitje skeptisch an. "Was soll denn eine verlorene Krone mit einem versiegten Feuerfluss zu tun haben?" Fitje sprang aufgeregt hoch und hüpfte auf dem Schreibtisch herum.

"Himmeldonnerwetter, Thore, das weiß ich doch auch nicht. Fahren wir eben hin und schauen nach!" forderte er. Thore schüttelte entschieden den Kopf. "Nein Fitje, wir fahren jetzt nach Hause! Ich segle bestimmt nicht noch nach Island um mal eben am Fuße des Vatnajökull nach Neptuns Krone zu suchen. Fitje, du bist verrückt." Fitje schnappte nach Luft und starrte den Kapitän entgeistert  an. Dann nahm er die Flöte und schob beleidigt ab. Er legte sich in seine Hängematte und zog sich die Decke über den Kopf. Nach einer Weile hörte er das leise Schlagen von Freitags Flügeln und das Scharren der Papageienkrallen auf dem Holz der Truhe. Bestimmt wollte sich der gefiederte Geselle über ihn lustig machen. Wieder herrschte eine Weile unheimliche Ruhe in der Kajüte, bis Freitag verlegen mit dem Schnabel knarrte. "So ganz verrückt klang das gar nicht, was der Klabauter da gerade gesagt hat, Kapitän!" krächste Freitag. "Vielleicht wusste dieser Hennek einfach etwas und hat sich drei und drei zusammengereimt. Und weil er selbst nicht mehr suchen konnte, hat er Fitje den kleinen Tipp gegeben." Thore donnerte los: "Jetzt spinnt ihr wohl beide. Ich fahre doch nicht auf das Geheiss eines Klabautermannes und eines Schiffspapageien nach Island und mache mich vor meiner Mannschaft lächerlich." Fitje zog sich die Decke vom Kopf, setzte sich in seiner Hängematte mit übereinandergeschlagenen Beinen hin und schaute Thore ernst an. "Erstens Kapitän Bollerbüx ist der Schiffspapagei dein Erster Steuermann, und zweitens hast du darauf ein Versprechen gegeben. All die Jahre hast du dich darauf verlassen können, dass die Flöte dir hilft, wenn du in Not bist. Jetzt hast du die Möglichkeit dein Versprechen einzulösen und dann willst du nicht. Das ist nicht fair." Freitag nickte zustimmend. "Dann können wir die Flöte auch genauso gut über Bord werfen Kapitän. Denn sie wird dir auch nichts mehr nützen." Und gemeinsam riefen sie: "Versprochen ist versprochen!"


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